Vom Kollegium der Ursula-Kuhr-Schule nahmen seit 1999 am einwöchigen Lehrerbetriebspraktikum teil:

GEW, Köln
7. November - 11. November 1999
Ford Aus- und Weiterbildung e.V., Köln "Fit"-Projekt
8. Mai - 12. Mai 2000
GEW, Köln
22. Mai - 26. Mai 2000
Sony Deutschland GmbH, Köln
21. März - 28. März 2001
Peter Tückhardt 8. Juli – 12. Juli 2002 Herr Leesmann

GEW, Köln - 7.  bis 11. November 1999 - Frau Heck

Vor dem Praktikum hatte ich im Hinblick auf Zusammenarbeit ausschließlich gute Erfahrungen mit der GEW sammeln können. Diese bezogen sich sowohl auf Aktivitäten anlässlich einer Projektwoche unserer Schule (wie z. B. Bereitstellen von Unterrichtsmaterialien, Erkundung des Wasserwerkes Severin, Aufbau einer „Wassertheke“ in der Schule) als auch das auf im Februar 1999 durchgeführte eintägige Lehrerpraktikum in der Ausbildungswerkstatt von GEW und KVB. Deshalb hatte ich den Wunsch, auch dieses Praktikum bei der GEW zu absolvieren. Schließlich erfuhren Frau K. und ich einige Tage vor dem Praktikum in einem Gespräch mit Herrn Vogel, dass uns beiden im Wechsel Einblicke in die Abteilungen „Berufsausbildung“ und „Zentrallager“ ermöglicht werden sollten. Als Arbeitszeit wurde der Zeitraum von 7.30 bis 15.30 Uhr festgelegt. Da die einzelnen Tage sehr unterschiedlich waren und die vielfältigsten Eindrücke enthielten, möchte ich sie nun chronologisch darstellen:

Montag, 7. 11.1999: Wie verabredet ging ich um 7.30 Uhr in das Büro von Herrn Vogel und Frau Lucas, die für die schulischen Belange der Auszubildenden, der Praktikanten und der Weiterbildung der Mitarbeiter zuständig sind. Ich erhielt einen Ausweis für Praktikanten, um nicht täglich einen Besucherschein ausfüllen zu müssen und vor allem auch in den Genuss der Kantine kommen zu können. Der Beginn dieses Arbeitstages - für mich allerdings mehr aus „Besuchersicht“ - war der Situation morgens früh im Lehrerzimmer nicht unähnlich. Taubenschlagähnlich kam eine Anfrage nach der nächsten, mussten Probleme für das gleich beginnende Seminar gelöst werden, der Einsatzort eines anderen Praktikanten beantwortet und anderes geklärt werden. Als schließlich etwas mehr Ruhe einkehrte und Herr Vogel sich an seinen Schreibtisch setzen konnte, erhielt ich umfangreiche Auskünfte zu der Möglichkeit der verschiedensten Praktika bei der GEW (z. B. mit unterschiedlicher Dauer für Schüler, Studierende, Diplomanden) und über die Inhalte der betriebsinternen Schulungen. Diese sind beispielsweise in Mathematik schwerpunktmäßig Dreisatz, Bruchrechnen, Prozentrechnung. In Deutsch wird u. a. Wert auf Rechtschreibung, Zeichensetzung, Inhaltsangabe, Nacherzählung und auch Literatur gelegt. Kompliziertere Texte sollten gelesen und vor allem auch verstanden werden, d. h. auch berufsbezogene Fragen zum Text selbst formuliert werden können. Es folgte ein längeres Gespräch mit einer für die betriebsinterne Schulung der Auszubildenden zuständigen Mitarbeiterin der GEW über Voraussetzungen und theoretische Inhalte der Ausbildung. Den Anforderungen für die Abschlussprüfungen wandte ich mich anschließend längere Zeit zu, da mir zwei gefüllte Aktenordner mit Aufgabenstellungen der letzten Jahre zur Lektüre überlassen wurden. Wenn auch viele der Inhalte erst den Stoff der Berufsschule ausmachen, so kam mir doch so manches sehr bekannt vor und ließ das Gefühl aufkommen, mit vielen der Themen im eigenen Unterricht „auf dem richtigen Weg“ zu sein, wie z. B. mit dem sogenannten „bürgerlichen Rechnen“, der Einführung in das Koordinatensystem oder den Wirtschaftskreisläufen. Besonders deutlich wurde bei der Durchsicht der Arbeiten insgesamt erneut das, was uns Lehrern allerdings auch hinlänglich bekannt ist, nämlich die Notwendigkeit, Schüler in die Lage zu versetzen, sich konzentriert lesend auf einen Text einzulassen, ihn zu verstehen und schließlich Fragen zum Inhalt zu beantworten bzw. in anderer Form darzustellen.
Auch meine Anfrage nach dem Verhältnis von Bewerbungen und Einstellungen bei der GEW ergab Vertrautes: Der Vielzahl von Bewerbungen entspricht eine sehr viel geringere Anzahl von Einstellungen. Unsere Schüler, die mit dem Abschluss der 10 A von der Hauptschule kommen, haben lediglich im gewerblichen Bereich als Anlagenmechaniker bzw. Industriemechaniker eine Chance. Im kaufmännischen Bereich für die Industriekaufleute bzw. Kaufleute für Bürokommunikation ist mindestens die Fachoberschulreife der 10 B notwendig. Bei der Lektüre einer Statistik zum Einstellungsverfahren im letzten Jahr konnte ich leider feststellen, dass so mancher Bewerber zum Eignungstest bzw. zum Einstellungsgespräch überhaupt nicht erschienen ist, was für Schüler aller Schulformen gilt. Bemängelt wurde weiter, dass manche Bewerber mit der Übersendung der vollständigen Unterlagen mehr als unzuverlässig umgehen. Sehr deutlich erlebte ich einen unerwünschten Umgang mit Dokumenten, als ein Auszubildender seine völlig zerknitterte Lohnsteuerkarte ins Büro brachte. Auch für die GEW gilt, dass sehr auf unentschuldigte Fehltage im Zeugnis und auf die Form der Bewerbung geachtet wird. Wichtig bei der Einstellung ist neben dem bestandenen Eignungstest auch das Vorstellungsgespräch. Bei der Übernahme nach der Ausbildung wird u. a. sehr auf vereinzelte Krankheitstage ohne Attest vor oder nach einem Wochenende geachtet, in Zweifelsfällen wird schon am ersten Tag einer Erkrankung ein Attest verlangt.
Der Verlauf des Praktikums am ersten Tag nahm für mich dann nach der Lektüre einer Liste der aktuellen betriebsinternen Weiterbildung eine für mich völlig überraschende Wende. Ich erhielt die Erlaubnis, an einem Grundlagenkurs „Word 97“ teilzunehmen, der am ersten und zweiten Nachmittag jeweils von 13.00 bis 17.00 Uhr stattfand. Dieser Kurs, für Mitarbeiter aus verschiedenen Arbeitsbereichen durchgeführt, war sehr systematisch aufgebaut, äußerst informativ und durch „learning by doing“ auch besonders effektiv. Dass dazu zusätzlich gut und verständlich aufbereitete, durch Übungsaufgaben angereicherte Seminarunterlagen zur Verfügung gestellt wurden, soll abschließend noch lobend und dankend hervorgehoben werden.

Dienstag, 8. Juni 1999: Der zweite Vormittag könnte unter das Thema „Kollegialer Austausch“ gestellt werden. Herr Vogel hatte im Rahmen seiner Prüfungsvorbereitungen Auszubildenden Prüfungsaufgaben aus einem der letzten Jahre gestellt. Er gab mir Kopien von Reklamationsschreiben bzgl. mangelhafter bzw. fehlender Ware mit der Auflage, diese Schülerarbeiten einzuschätzen und zu beurteilen. Um die Beurteilung zu erleichtern und zu objektivieren, werden jeweils Bewertungskriterien der IHK hinzugezogen. Auch hier stellte ich Vertrautes fest: teilweise sehr unordentliche Form auf möglichst engem Raum, Nichtbeachtung der Themenstellung bzw. unvollständige Ausführung, Wechsel der Schreibperspektive, unvollständige Satzstellungen, Mängel in der Rechtschreibung und der Interpunktion. Die Facharbeiten zu verschiedenen Themen (z. B. Transportmittel - Arten, Vor- und Nachteile), die ich dann las, waren unterschiedlich umfangreich, ließen teilweise auch das Eingehen auf die geforderten Unterpunkte vermissen, obwohl die Aufgabenstellung sie enthielt. Insgesamt lässt sich abschließend feststellen, dass wir bei der Bepunktung bzw. der Benotung der Übungsarbeiten zu fast identischer Einschätzung kamen. Herr Vogel wies in diesem Zusammenhang noch darauf hin, dass die endgültigen Prüfungsergebnisse vor der IHK in der Regel nicht mehr von den bei Prüfungsvorbereitungen gezeigten Leistungen abweichen würden.
Nach dem Mittagessen in der schönen Betriebskantine mit guten, vielfältigen Gerichten und für Mitarbeiter sehr günstigen Preisen nahm ich ab 13.00 Uhr am zweiten Teil der Fortbildung „Word 97“ teil.

Mittwoch, 9. Juni 1999: Um auch Kontakt zu den Auszubildenden herzustellen und mit ihnen ins Gespräch zu kommen, hatte ich mir überlegt, Interviews mit ihnen zu führen. Diesem Wunsch wurde sofort entsprochen, Mir wurde mitgeteilt, dass mittags zwei Auszubildende aus dem gewerblichen Bereich kommen würden. Ich überlegte zunächst Fragen und setzte dann die erworbenen Kenntnisse des Kurs „Word 97“ konkret um, indem ich den Fragebogen für das Interview am Computer schrieb und dann ausdruckte. Die beiden Auszubildenden, ein Hauptschüler am Ende seiner Ausbildung und ein Realschüler im 1. Ausbildungsjahr, kamen wie angekündigt. Während des Eingehens auf meine Fragestellungen ergab sich ein ernsthaftes, ausführliches Gespräch über die von ihnen während der Ausbildung und der Schulzeit gemachten Erfahrungen. Um auch den kaufmännischen Bereich in das Interview einzubeziehen, befragte ich schließlich noch zwei Auszubildende, die Industriekaufleute werden wollen, eine Realschülerin mit Qualifikation und einen Gymnasiasten. Da während dieses Interviews auch andere Auszubildende anwesend waren - sie alle hatten nach dem Berufsschulblockunterricht in den Betrieb zurückkommen müssen - , zeigte sich auch hier bald von der Schule Vertrautes. Einige Antworten wurden kommentiert bzw. mit Lachen quittiert. Insgesamt aber ergab sich auch mit dieser Gruppe von Auszubildenden eine gute Möglichkeit des Erfahrungsaustausches.

Donnerstag, 10. Juni 1999: Nun fand der Wechsel der Abteilung statt, den ein Gespräch mit Herrn G., dem Leiter der Lagerabteilung, einleitete. Zunächst nahm ich die Gelegenheit wahr, mich theoretisch mit den Aufgaben und Zielen der Lagerverwaltung zu beschäftigen und mir Notizen dazu zu machen. Umfangreiche Unterlagen für Mitarbeiterfortbildungen standen mir dafür zur Verfügung, die anschaulich den gesamten Aufgabenbereich darstellten. Doch auch die Praxis kam nicht zu kurz. Ich hatte Gelegenheit, auf dem Flurförderungsfahrzeug, einem großen Gabelstapler, mitzufahren. Besser als mit jeder Theorie wurde dabei deutlich, wie Ein-, Aus- oder Umlagerungen vorgenommen werden. Das Fahrzeug wird in einen der vielen Gänge, durch Führungsrollen an den riesigen Lagerregalen geleitet, gefahren. So ist dem Mitarbeiter möglich, in den verschiedenen Sektoren auf insgesamt vier Ebenen Paletten mit Waren zu lagern. Die Ermittlung des freien Lagerplatzes oder bei Auslagerung der Platz der jeweiligen Ware erfolgt durch die entsprechende Eingabe am Computer. Bei dieser Arbeit am Lager verdeutlicht nicht nur die Geschwindigkeit der Fahrzeuge die Wichtigkeit umfangreicher Sicherheitsbestimmungen sowie eines Alarmsystems mit Lampen und Signalen. Als weiteres Lagersystem wurde mir anschließend der „Paternoster“ erklärt. In mehrere Sektoren eingeteilt, befinden sich in vielen Reihen übereinander jeweils nebeneinander ca. 11 kleine Plastikkörbe, in denen die vielen mit Artikelnummer versehenen Kleinteile gelagert sind. Nach Anlieferungen morgens z. B. durch Lkws werden im Laufe des Tages die bestellten Waren kommissioniert und an die Kundenadressen geliefert. Auch dieser Arbeitsvorgang wurde mir schließlich nachmittags gezeigt und erklärt.

Freitag, 11. Juni 1999: Den letzten Vormittag begann ich mit dem Interview einer Auszubildenden des Berufes Kauffrau für Bürokommunikation, deren Ausbildungsstation z. Zt. das Zentrallager ist. Anschließend erhielt ich eine kleine Einführung in das „SAP-Sytem“ (Systeme - Anwendungen - Produkte), mit dem der gesamte Lagerbestand verwaltet, d. h. buchungstechnisch per Computer transportiert (ein-, aus- und umgelagert) wird.
Da Frau K. und ich zugesagt hatten, einen Bericht über unser Praktikum für die betriebsinterne Zeitung „AP“ zu schreiben, trafen wir anschließend zunächst den dafür zuständigen Redakteur, um den Artikel mit ihm abzusprechen. Nachmittags verbrachten wir die restliche Zeit unseres Praktikums damit, den gewünschten Text zu formulieren und per e-Mail der Redaktion und den für unser Praktikum zuständigen Ausbildungsstellen zur Information zukommen zu lassen.
Auf die Praktikumswoche zurückblickend lässt sich das Folgende zusammenfassen: 

Ford Aus- und Weiterbildung e. V. -"Fit"- Projekt -

8. bis 12. Mai 2000 - Frau Lettow

Mein Lehrerpraktikum absolvierte ich bei den Ford-Werken in Köln-Niehl. Das Unternehmen ist der zweitgrößte Automobilhersteller der Welt und einer der größten Arbeitgeber des Landes. Bei Ford werden nicht nur Autos gebaut, sondern auch geforscht und gefertigt auf den Gebieten Mikroelektronik, Stahlproduktion, Glasherstellung, Industrie- und Schiffsmotoren, elektronische Motorensteuerung usw. Auch mit Themen wie Umweltschutz und Energieeinsparung beschäftigt sich das Unternehmen.
Das Praktikum fand speziell unter dem Aspekt „Frauen in technischen Berufen“ statt. Ziele waren unter anderem das Kennenlernen der betrieblichen Berufsausbildung und der Situation junger Frauen in technischen Berufen. 

Am 1. Tag konnten wir bei einer Führung durch die Lehrwerkstatt und einige „Ausbildungsinseln“ einen allgemeinen Eindruck davon gewinnen, wie vielseitig die Ausbildungsmöglichkeiten sind und welche Kenntnisse und Fähigkeiten ein Azubi erwerben muss. Automobilmechaniker/in, Energieelektroniker/in, Fertigungsmechaniker/in, Fachkraft für Lagerwirtschaft, Industriemechaniker/in, Konstruktionsmechaniker/in, Modellbaumechaniker/in, Verfahrensmechaniker/in für Beschichtungstechnik, Werkzeugmechaniker/in, Zerspanungsmechaniker/in und Produktionstechnik sind die bei Ford angebotenen Ausbildungsberufe. Mädchen und Jungen haben die gleichen Chancen, sofern sie mindestens den Hauptschulabschluss der Klasse 10 A haben und gute Noten in Mathematik und Deutsch, möglichst auch in Technik und Physik. Ford erwartet von seinen Azubis Lern- und Leistungsbereitschaft und Teamgeist. Gefragt sind auch die guten alten Tugenden wie Zuverlässigkeit, Pünktlichkeit, Ordnungssinn, Ehrlichkeit und Höflichkeit. Je nachdem, welcher Beruf erlernt wird, dauert die Ausbildung 2 bis 3 ½ Jahre. Die Azubis lernen von Anfang an, ihre Aufgaben selbstständig zu planen, durchzuführen und zu kontrollieren mit Hilfe unterschiedlicher Arbeitsmethoden und Medien wie z. B. computergestützte Lernprogramme, Leittexte und Lehrfilme. Zur Förderung sozialer Fähigkeiten findet in jedem Ausbildungsjahr ein einwöchiges arbeitspädagogisches Seminar statt. Nach erfolgreich abgeschlossener Ausbildung übernimmt Ford seine Azubis zu 99 %.

Am 2. Tag referierte Frau Vorholt über das Thema Problemaspekte der Berufswahl von Mädchen. Wir erhielten Informationen über die Situation von Mädchen auf dem Ausbildungsmarkt, die Konsequenzen weiblichen Berufswahlverhaltens für die Erwerbssituation sowie über Möglichkeiten zukunftsorientierter Berufwahl. Weitere Themen an diesem Tag:. Lernverhalten und Lerninteressen von Mädchen, die Bedeutung der Adoleszenz für die Berufswahl von Mädchen und technikorientierte Berufe – eine Alternative für Mädchen. Im Anschluss an das Referat hatten wir dann Gelegenheit, Rückfragen zu stellen bzw. über einzelne Aspekte zu diskutieren. Die folgende Einzelarbeit an Texten nahm soviel Zeit in Anspruch, dass auf eine Präsentation der Ergebnisse verzichtet wurde.
In der letzten Stunde dieses Arbeitstages standen uns Ausbilder und Ausbildende zur Verfügung, die geduldig unsere Fragen über Erfahrungen mit Mädchen in technischen Berufen beantworten. Vorbehalte wie

Am 3. Tag begannen wir dann unter körperlichem Einsatz mit der Fertigung eines Metallwürfels. Vorher wurden wir noch in die Unfallverhütungsvorschriften eingewiesen. Feilen, Anreißen, Körnen, Bohren und wieder Feilen und Polieren hört sich alles sehr einfach an und war doch Schwerstarbeit, die uns viel Geduld abverlangte. Ich kann mir vorstellen, dass unsere Schüler zu Beginn ihrer Lehrzeit damit ihre Probleme haben werden.
Am Nachmittag brachen wir zu einer Werksbesichtigung auf und stellten mit Erstaunen fest, dass die moderne Technik nicht nur den körperlichen Einsatz weit zurückdrängt, sonder auch den Schmutz und den Lärm.

Am 4. Tag widmeten wir uns in der Praktikantenwerkstatt wieder unserem Würfel und durften am Ende des Tages stolz das mehr oder wenige gelungene Stück nach Hause tragen.

Am letzten Tag erfolgte der Besuch eines Selbstlernzentrums. Es ist ein modernes Schulungsangebot für alle Ford- Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die sich kontinuierlich weiterbilden möchten. Dieses Angebot steht auch Lehrern zur Verfügung. Mehrere Multimedia-Stationen stehen zur Verfügung. Das Angebot umfasst mehr als 120 Lernprogramme aus den Bereichen Technik, Qualität, Computer und Systeme, Sprachen, Führung und Verhalten und Betriebswirtschaft.
Mit einem Abschlussgespräch endete diese interessante und informative, an Arbeit und Erfahrung reiche Woche.
Mein Dank gilt Frau Vorholt und Frau Wulf, die durch ihr Engagement diese Woche zu einem Erfolg machten.

Informationen zu Eignungstest

Testdauer 2,5 Stunden, anschließend schnellstmögliches Mitteilung des Testergebnisses an die Teilnehmer und evtl. Einladung zum Vorstellungsgespräch
Gewerblich-technische Ausbildung
  • räumliches Vorstellungsvermögen
  • technisches Verständnis
  • Konzentration
  • Beobachtung
  • Deutsch
  • Mathematik
  • logisches Denken
  • Fingerfertigkeit 
  • In Mathematik sollten folgende Themen beherrscht werden:
  • die Grundrechenarten
  • der Dreisatz
  • (Prozent- u. Zinsrechnung)
  • Flächenberechnung
  • Maße und Gewichte
  • Bruchrechnen
  • Kaufmännische Ausbildung
  • Konzentration
  • Beobachtung
  • Deutsch
  • Merkfähigkeit
  • Englisch
  • Mathematik
  • logisches Denken
  • In Deutsch werden folgende Themen behandelt.
  • Satzvervollständigung
  • Analogien bilden
  • Oberbegriffe finden
  • Rechtschreibung
  • GEW, Köln - 22. bis  26. Mai 2000 - Frau Spohr 

    Auf die Information, dass ich die kommende Woche nicht in der Schule verbringen werde, sondern ein Lehrerpraktikum machen will, reagierten meine Freunde mit Erstaunen. Wieso Lehrerpraktikum.? Warum musst du denn jetzt noch ein Praktikum machen, du bist doch schon länger als 25 Jahre im Schuldienst?

    Ja, genau das war der Punkt! 25 Jahre im Dienst bedeutet auch 25 Jahre immer wieder zu versuchen am Ball zu bleiben, nicht zu sehr in die tägliche Routine abzugleiten, damit auch für mich die Arbeit mit den Schülern überwiegend interessant bleibt. Die Schüler, die ich im Augenblick unterrichte, nähern sich mit großen Schritten dem Ende ihrer Schulzeit. Sie sind auf der Suche nach Praktikumstellen und versuchen, sich ein Bild von der Arbeitswelt zu machen. Warum sollte ich als ihre Klassenlehrerin mich nicht auch umsehen und mir einen kleinen Einblick in die Welt verschaffen, in der meine Schüler demnächst arbeiten werden. Möglichweise kann ich sie dann etwas besser beraten. Das waren meine Überlegungen als von der Schulleitung ein einwöchiges Praktikum in einem Betrieb unsere Wahl ermöglicht wurde. 

    Nach telefonischer Absprache über meine Arbeitszeiten treffe ich am Montag kurz vor 8 Uhr im Büro von Herrn Vogel ein. Herr Vogel fungiert als Koordinator für diese Woche. Ich habe den Wunsch, in die Abteilungen geschickt zu werden, in denen auch meine Schüler die Chance haben einen Ausbildungsplatz zu finden. Ich werde also diese Woche in den Bereichen Einblick bekommen, in denen Industriemechaniker, Fachkräfte für Lagerwirtschaft und Energieanlageelektroniker ausgebildet werden. Wenn man sich in diesen Abteilungen aufhält, ist es jedoch Pflicht, Sicherheitsschuhe und einen „Blaumann“ zu tragen. Die Herren sind ein wenig verunsichert. Ich habe kein Problem damit. Die richtige Größe für Schuhe und Anzug ist schnell gefunden. 

    In der Metallwerkstatt sind auch jugendliche Praktikanten mit Feilen und Bohren beschäftigt. Der Werkstattleiter nimmt sich Zeit für mich. Ich lerne verschiedene Werkzeuge und Maschinen kennen. Er zeigt mir, was Schüler während ihres 3-wöchigen Praktikums lernen. Sie sollen lernen, nach Plan ein Metallkästchen herzustellen. Messen, feilen, bohren und biegen sind Fertigkeiten, die eingeübt werden. Das Angebot, dieses auch tun zu dürfen, nehme ich gern an. Am Ende des Tages habe ich, natürlich mit Hilfe des Werkstattleiters, ein Metallkästchen vor mir liegen. Ich weiß jetzt, dass sorgfältiges und genaues Arbeiten für Industriemechaniker eine Grundvoraussetzung ist. 

    Den Dienstagvormittag verbringe ich auch noch in der Metallwerkstatt. Wir unterhalten uns über die theoretischen Voraussetzung, die ein Schüler mitbringen muss. Die Beherrschung der Grundrechenarten sollte gegeben sein. Mir werden Mathematiktests gezeigt, die zum Teil große Mängel deutlich machen. Ich nehme mir vor, noch größeren Wert auf Übungen im Bereich der Grundrechenarten zu legen.

    Nachmittags ist ein Rundgang über das Gelände der GEW angesagt. Ich bin erstaunt über die vielfältigen Aufgaben, die dort durchgeführt werden. Besonders beiendruckend finde ich die Lagerhaltung. Ich habe mir nie Gedanken darüber gemacht wie ein Lager geordnet ist. 

    Den Mittwoch verbringe ich im Lager. Mit Hilfe eines Computers behält man den Überblick über die sogenannte Chaoslagerhaltung. Sie ist keineswegs chaotisch, aber nach Aussage des Lagerleiters kostensparend, und das ist der wichtige Punkt bei der Lagerhaltung – Kosten sparen durch kurze Lagerzeiten.

    Das Angebot löten zu lernen nehme ich am Donnerstag an. Ich verbringe Stunden damit, zunächst die Technik des Lötens zu lernen und dann einen Würfel aus Kupferdraht herzustellen. Der Vormittag ist nicht lang genug. Mein Würfel wird an diesem Tag nicht fertig. Ich werde den Freitagvormittag noch benötigen. Am Nachmittag will ich mich einer für mich inzwischen ungewohnten Herausforderung stellen. Ich nehme am Einstellungstest für Industriemechaniker und Energieanlagenelektroniker teil. Zunächst bin ich noch recht gelassen, als mir die ersten Aufgaben vorgelegt werden. Doch auch für mich (Nicht-Mathematiker) werden die Matheaufgaben zunehmend problematisch. Der Zeitdruck macht mich ziemlich nervös. Schließlich möchte ich mich nicht allzu sehr blamieren. Räumliches Vorstellungsvermögen, Konzentrationsfähigkeit, perspektivisches Denken und die Grobmotorik werden ebenfalls getestet. Nach 2 Stunden werden die 3 Jungen entlassen, die sich um einen Ausbildungsplatz als Industriemechaniker beworben hatten. Ich bleibe noch mit dem Bewerber für den Ausbildungsplatz als Energieanlagenelektroniker, um die Feinmotorik testen zu lassen. Um 17 Uhr ist es geschafft. Auch ich darf jetzt nach Hause gehen. 

    Unterwegs denke ich noch einmal darüber nach, wie leichtfertig manch Jugendlicher mit seiner Bewerbung für einen Ausbildungsplatz umgeht. Für diesen Einstellungstest hatten sich 6 Jungen beworben. Der Test sollte pünktlich um 14 Uhr beginnen. Um 13.55 Uhr waren 2 Jungen im Gebäude und hätten rechzeitig beginnen können. Zwei weitere meldeten sich noch 2 Minuten vor 14 Uhr an der Pforte. Ein Jugendlicher hatte um 13.50 Uhr von einer weit entfernten Straßenbahnhaltestelle angerufen und nachgefragt, ob er es noch pünktlich schaffen könne. Man hat ihm empfohlen, wieder nach Hause zu fahren. Ein Junge blieb dem Test ohne Entschuldigung fern.

    Am Freitag erfahre ich, dass ich aufgrund des Testergebnisses einen Ausbildungsplatz bekommen könnte. Die anderen Teststeilnehmer bekommen alle einen Ausbildungsplatz. Aufs Neue motiviert setze ich meine Lötarbeiten am Würfel fort. Ich sitze mit einer Gruppe Energieanlagenelektroniker in einem Raum und bin begeistert von der disziplinierten Arbeitshaltung. Ruhig und konzentriert arbeiten 10 Jungen und zwei Mädchen an ihrem Projekt. Sie sind alle im 3. Ausbildungsjahr.

    Mein Würfel ist fertig. Ich habe Zeit, um noch einmal in die Werkstatt für Schweißarbeiten zu gehen. Dort bin ich morgens schon einmal gewesen. In der Werkstatt wird eine Prüfung simuliert. Jeder hat zur Fertigung seines Prüfstücks nur eine bestimmte Zeit zur Verfügung. Bei meinem Eintreffen sind nicht alle gleich weit mit ihrer Arbeit. Sie haben nur noch eine knappe Stunde Zeit, ihr Werkstück zu beenden. Auch hier zeigt sich wieder, dass Geschicklichkeit wichtiger ist als Kraft – selbst beim Arbeiten mit Hammer und Amboss. An diesem Freitagnachmittag findet auch ein Treffen mit den zukünftigen Auszubildenden und deren Eltern statt. Da ich den Film über die GEW schon kenne, blieb ich noch in der Schweißwerkstatt, um mich mit dem Ausbildungsleiter dieser Abteilung über die Arbeiten, die in diesem Bereich anfallen, zu unterhalten. 

    Am Ende bleibt mir nur noch die Rückgabe des „Blaumanns“, mich für die freundliche Betreuung zu bedanken und meinen Heimweg anzutreten. Am Tor gebe ich auch noch den Passierpass ab. Eine Woche, in der ich einen ganz „normalen“ 8-Stundentag hatte, ist beendet. Ich komme nach Hause und habe Feierabend. Die Vorbereitung auf meine sechs Stunden Unterricht am Montag verschiebe ich auf Sonntag.

    Hat das Praktikum sich gelohnt? Wie kamst du als Teilzeitlehrer mit dieser ungewohnten Arbeitszeit von 7 bis 16 Uhr klar? Hast du neue Erkenntnisse gewonnen? Nein, ganz neue Erkenntnisse hab ich nicht gewonnen, doch wurde ich darin bestärkt, meine pädagogischen Grundsätze (Freundlichkeit, Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit) auch weiterhin durchzusetzen. Unsere Schüler müssen dazu gebracht werden, ausdauernd und konzentriert arbeiten zu können. Ein freundlicher Umgangston ist mindestens so wichtig, wie die Beherrschung der Grundrechenarten. Man hat Geduld mit jemandem, der Fehler beim Rechnen macht, doch nicht mit unfreundlichen und unzuverlässigen Auszubildenden.

    Die Arbeitszeit war zwar gewöhnungsbedürftig, doch keineswegs belastend für mich. Wie ich oben schon sagte: Wenn ich zu Hause war, hatte ich Feierabend.

    Sony Deutschland GmbH, Köln – 21. bis 28. März 2001, Herr Almering 

    0. Vorwort

    Am Dienstag, dem Tag vor meinem Praktikum, verließ ich die Schule mit einem etwas unguten Gefühl: Würden die Schüler auch ohne mich zurecht kommen? Wie viel Unterricht wird ausfallen und wie werde ich meine Klasse schließlich vorfinden, wenn ich am Donnerstag darauf von meinen Erlebnissen berichten werde? Die Schüler hingegen sahen das gar nicht so kritisch: Einige von ihnen hatten schon großes Interesse an Sony geäußert, zumal ihnen das Unternehmen vor allem durch seine Konsumprodukte - vor allem Playstations, aber auch Fernseher und Walkmen - bekannt war.

    1. Der Betrieb: Warum Sony?

    Die im Vorfeld häufig an mich gerichtete Frage „Warum Sony?" begegnete mir zum Teil mit dem erahnbaren Hintersinn, dass Berufsbilder wie das des Groß- und Außenhandelskaufmanns Hauptschülern meist unzugänglich bleibt. Dieser Ansicht stand das rege Interesse verschiedener Schüler und Schülerinnen aus der Stufe 8 entgegen, die sich zuvor schon selbständig bei diesem Großkonzern um ein Praktikum beworben hatten. Wer das Unternehmen näher kennen lernen möchte, kann sich unter http://www.sony.de informieren; dem längeren Zitat dieser Internet-Seite kann man beispielsweise entnehmen, wie das Unternehmen sich selbst sieht.

    „Die Geschichte von Sony beginnt im Jahre 1946. Damals beschließen die beiden japanischen Elektroingenieure Masaru Ibuka und Akio Morita, in Tokio eine eigene Firma zu gründen. Das Ziel der beiden jungen, ehrgeizigen Ingenieure: Auf der Grundlage technologischer Innovationen Produkte zu entwickeln, die denen der Mitbewerber einen Schritt voraus sind. Es sollten Produkte sein, die ihren Benutzern Freude bereiten - durch exzellente Qualität und außergewöhnliches Design. Der weltweite Erfolg des Unternehmens basiert noch heute auf diesen Grundprinzipien. Auch den deutschen Markt hat Sony schon vor langer Zeit erobert. Vor 30 Jahren wird in Köln die "Sony Deutschland GmbH" gegründet und rund 20 Mitarbeiter beziehen ihre Büros. Heute hat die Sony Deutschland GmbH mehr als 1.100 Angestellte. Sie alle haben sich zum Ziel gesetzt, ihre Kenntnisse und Fähigkeiten dafür einzusetzen, dass der Name Sony jetzt und in Zukunft als Synonym für innovative Produkte, herausragende Technologien und exzellente Qualität steht.“
    Unter der gleichen Anschrift kann man sich zudem online bewerben – eine interessante Idee für SchülerInnen, denen der Umgang mit dem PC verraut ist.

    Bewusst entschied ich mich für ein Großunternehmen, da hier die verschiedensten Berufsbilder vereint werden. Erfreulicherweise wurde mir mitgeteilt, dass mein Einsatzort das Personalbüro sein würde, der Ort, an dem ich Einblick in die verschiedensten Formen von Bewerbungen und Bewerbungsgesprächen erhalten würde: Meine Hoffnung war, dass mir hier sowohl die Kriterien für die Einstellung von Führungskräften als auch solche für Kraftfahrer, Lagerarbeiter usw. transparent werden würden.
     

    2. Die Woche

    2. a. Der erste Tag: Mittwoch, 21. 03 2001

    9 Uhr morgens in der Empfangshalle bei der SONY Deutschland GmbH: Nach der Anmeldung beim Pförtner bleibt noch Zeit für einen längeren Blick auf verschiedene Konsumprodukte des Hauses. Unter anderem stehen hier zwei spielfertig aufgebaute „Playstation II"-Modelle;  jedes Schülerherz würde jetzt höher schlagen.
    Danach wird es ernst: Freundlich werde ich durch Frau Vogel, die für das Sekretariat der Personalabteilung, Bereich Logistik, EDV und unter anderem auch für die Azubibetreuung zuständig ist, empfangen. Sie führt mich rasch (nach der Vorstellen der Kantine) zum Personalbüro, wo ich die kommende Woche wirken werde - an einem eigenen Schreibtisch.

    ABB. 1: Der Arbeitsplatz
    Ich stelle mir den Schüler vor, der nach der Schulbank zum ersten Mal an einem eigenen Arbeitsplatz mit PC sitzt. Die erste Aufgabe besteht – makabererweise - darin, den Absagenordner zu führen: Nicht-erfolgreiche Bewerbungen werden sortiert und abgeheftet; mir bietet sich ein Panoptikum an zentralen Fehlern. Entscheidend sind diese:
    · Das zentrale Kennzeichen einer gelungenen Bewerbung ist noch immer die Rechtschreibung; der Absagenordner füllte sich zusehends mit den Anschreiben vielleicht qualifizierter Bewerber, die aber die Schwelle zu einem Gespräch nicht überschreiten, da ihr Text sprachlich und grammatikalisch ungenügend ist. Hier bewahrheitet sich widerum der - hoffentlich noch nicht zu abgenutzte - Satz, dass Deutsch das zentrale Fach der Hauptschule ist.
    · In Auge fiel weiterhin die Vielzahl der Formfehler bei der Gestaltung des Anschreibens (die ja einer DIN-Norm unterliegt) und bei der Zusammenstellung der Bewerbungsmappe, die sich im schlimmsten Fall als Blattsammlung erwies.
    · Den Absageschreiben hingen oft auch handschriftliche Bewertungen an, aus denen hervorging, dass der Kandidat nicht im schriftlichen, sondern im mündlichen Teil der Bewerbung einen ungünstigen Eindruck hinterließ. Die Selbstdarstellung im Gespräch, das Aushalten der Aufmerksamkeit, die dem Bewerber entgegengebracht wird, überfordert so manchen. Über SAP-Software werden nun Absagen geschrieben, gedruckt und abgeschickt, eine verantwortungsvolle Aufgabe, die auch jeden Schülerpraktikanten erwarten würde.
    Nach dem „Absagendrama" wird noch etwas Post sortiert für Frau Longerich (Personalleiterin für Logistik, EDV, dem kaufmännischen Bereich), die unter anderem die Azubibetreuung koordiniert.

    2. b. Der zweite Tag: Donnerstag, 22. 03. 2001

    Die erste (und klassische) Praktikantenaufgabe, die sich mir an diesem Tag stellt, ist das Kopieren von Unterlagen; anschließend werden Ordner mit Personalakten in Registraturen einsortiert. Nach diesen „Vorübungen" suche ich anhand des Aktenverzeichnisses Personalnummern und ziehe die Akten dazu. Personaldaten aus den Akten werden am PC in einer Word-Liste zusammengestellt - dann müssen die Akten wieder in den Schrank gestellt werden und der Arbeitsgang ist abgeschlossen.
    Um 10.15 Uhr wird die Tagesaufgabe durch ein Gespräch mit dem Werkstattleiter Sony Consumer Service Herr Schroeer im Kundenbüro unterbrochen; es folgt eine Führung durch die Werkstätten, die Logistik und den Service.
    Besonders gefragt sind hier Engagement und Eigeninitiative, so wurden die Räumlichkeiten nicht von Architekten, sondern bis in die Details durch die Mitarbeiter selbst gestaltet.

    2. c. Der dritte Tag: Freitag, 23. 03. 2001

    An diesem Tag stellt mir Frau Vogel einen Ordner zur Verfügung, in dem erfolgreiche Bewerbungsunterlagen um Azubistellen als Informaktikkauf“frauen“ und als  Groß- und Außenhandelskauf"männer" gesammelt werden - eine davon ist eine Hauptschülerin (10b); ich nutze die Gelegenheit, um nützlichen Phrasen, die schülergemäß sind, aus erfolgreichen Bewerbungen herauszuschreiben.
    Den Rest der Vormittages nimmt das Gespräch mit Frau Taubitz ein (siehe: 3.3.); nach dem Mittagessen schließen sich die ersten Routinearbeiten an: Kopierarbeiten, das Ablehnen von Bewerbungen, das Abheften von Anschreiben und die Erledigung der Post.
     

    2. d. Der vierte Tag: Montag, 26. 03. 2001

    Der Tag beginnt mit dem Abschreiben eines Praktikumsvertrages und seiner Neugestaltung  in Word. Anschließend fällt mir die angenehme Aufgabe zu,  den "job_navigator“ Version 2. 0. zu testen, ein Programm der „Barmer"-Krankenkasse, das jungen Menschen bei der Job-Suche helfen soll.
    Vor dem Mittag habe ich dann noch die Möglichkeit zu beobachten, was einen Bewerber erwartet, der zu einem Gespräch eingeladen wird (siehe 4.). Die Zeit danach verbringe ich mit dem Erledigen der Post und leichten Schreibarbeiten.

    2. e. Der fünfte Tag: Dienstag, 27. 03. 2001

    Der Tag beginnt mit der Fortsetzung der Schreibarbeit vom Vortag und der bereits mir bekannten  Neuerfassung von Bewerbung in SAP. Es schließt sich das Gespräch mit Herrn Weist an, der mich über die Aus- und Weiterbildungspraxis bei Sony unterrichtet.

    2. f. Der sechste und letzte Tag: Mittwoch, 28. 03. 2001

    Der letzte Tag: Inzwischen habe ich mich an den Arbeitsrhythmus gewöhnt, ich fühle mich wohl im Arbeitsteam des Personalbüros, aber dennoch fehlt mir die Schule. Eine letzte und besondere Aufgabe wartet auf mich: Eine Bewerberin um eine Ausbildungsstelle als  Groß- und Außenhandelskauffrau hat kurzfristig abgesagt und Frau Vogel überlässt es mir, aus einem Stapel von „Ersatzkandidaten“ drei möglicherweise geeignete herauszufiltern. Das klingt zunächst einfach, gestaltet sich aber dann zunehmend komplizierter, denn das Grundproblem ist, zwischen Form und Inhalt der Bewerbung abzuwiegen: In der einen stimmen die Noten in Mathematik und Englisch nicht, dafür ist die andere in Anschreiben und formalem Aufbau völlig unzureichend. Schließlich bleiben drei Kandidatinnen über; nach einem Anruf muss ich feststellen, dass sie bereits „versorgt“ sind und die Suche beginnt von Neuem. Einen besseren Einblick in das Problem „Personalbeschaffung“ kann ich mir kaum wünschen.

    3. Berufschancen und Berufsbilder

    3. 1. Die Einstellungsmodalität

    Der Weg in den Beruf ist mit Hürden versehen, die ein erfolgreicher Bewerber überwinden muss. Bei SONY Deutschland ist der Weg zum Ausbildungsplatz wie folgt gegliedert:

    a. Am Anfang steht die Bewerbung: Für ein Praktikum genügt ein Anschreiben und ein Lebenslauf, für einen Ausbildungsplatz hingegen sollte das letzte Zeugnis und eventuell Praktikumszeugnisse u. ä. beigefügt sein. Bei einer Bewerbung im EDV-Bereich ist wichtig, ein EDV-Profil beizulegen, aus dem die persönlichen Kompetenzen in diesem Bereich ersichtlich werden. Ein kleiner Tipp: Dieses Profil lässt sich auch für andere Bereiche selbständig erstellen und ist eine gute Ergänzung jeder (Initiativ-)Bewerbung, mit der sich die eigenen Fähigkeiten und Interessen gut vermitteln lassen.

    b. Hat ein Azubi-Bewerber diese erste Hürde genommen, erwartet ihn nun die Einladung zu einem Gruppengespräch: Die insgesamt etwa 40 Kandidaten werden in Zehnergruppen bestellt. Nach einer Vorstellungsrunde werden sie noch einmal in zwei Gruppen geteilt und müssen dann eine Diskussion zu einer vorgegebenen Problemstellung führen. Nachdem so die kommunikativen und sozialen Kompetenzen in der Gruppe beobachtet wurden, müssen die Bewerber sich anschließend bei der Präsentation eines beliebigen Themas in einen fünfminütigen freien Vortrag selbst darstellen.

    c. Am gleichen Tag noch schließt sich an die Gruppendiskussion ein schriftlicher Einstellungstest an, im dem logische, semantische und Konzentrationsfähigkeiten sowie kaufmännisches Rechnen überprüft werden. Aus verständlichen Gründen kann an dieser Stelle auf die Inhalte nicht näher eingegangen werden. Interessanterweise dürfen die Bewerber ihr Abschneiden im Test nicht überbewerten, denn es ist der persönliche Eindruck, der den Ausschlag gibt. Soziale Kompetenz steht an erster Stelle, nicht die Tatsache, dass man ein fachorientierter „Überflieger" ist.

    d. Schließlich folgt das "Finale", die Einladung zu einem etwa einstündigen Einzelgespräch, bei dem der Bewerber oder die Bewerberin noch einmal Gelegenheit erhält, sich zur eigenen Person, zu den Beweggründen für die Berufswahl und zu eigenen Erwartungen zu äußern.

    Ein langer Weg; am Ende fällt dann die Wahl auf etwa fünf Groß- und Außenhandelskaufmänner/frauen, die fortan als Team zusammen arbeiten und gemeinsam ihre Ausbildung bestreiten.
     

    3.2. 1. Der Bereich Informationselektronik: 22. 03. 2001

    Die alten Bezeichnungen „Radio- und Fernsehtechniker" und der „Büromaschinentechniker" wurden vereint und durch die etwas verwirrende Bezeichnung Informationselektroniker ersetzt, die die leider etwas irreführende Assoziation mit dem EDV-Bereich hervorruft. Nichtsdestotrotz sind auch hier Mathe, Physik und Chemie die zentralen Schulfächer. Bewerber mit einer Mathematiknote unter 3 können sich keine Chancen ausrechnen, so Herr Schoeer. Da die europaweite Zusammenarbeit bei SONY Deutschland zunehmend intensiviert wird, werden aber auch Englisch-Kenntnisse immer wichtiger. Dass man sich im technischen Bereich in den Grundzügen mit PCs auskennen muss, bedarf schon kaum noch der Erwähnung.

    Insgesamt werden im Bereich Logistik - Service - Reparatur durchschnittlich 8 bis 9 Azubis ausgebildet, es sollen aber in absehbarer Zeit mehr werden. Praktikanten erhalten einen Überblick über die Aufgaben eines Technikers beziehungsweise eines Lageristen in diesem Bereich und können im Rahmen ihrer Möglichkeiten dort tätige Mitarbeiter unterstützen.
     

    3.2.2. Der Bereich Groß- und Außenhandel

    Auch im Bereich des Groß- und Außenhandelskaufmanns wird im Großbetrieb Sony ausgebildet; hier finden sich vor allem Handelsschüler, denn die Anforderungen sind hoch: In der dreijährigen Ausbildung, die bei guten Leistung häufig auf zweieinhalb Jahre verkürzt werden kann, werden die Themen Betriebsstruktur (Ausbildungsbetrieb), Warenwirtschaft und -distribution, Beschaffung, Absatzwirtschaft, Arbeitsorganisation und Kommunikationssysteme sowie Rechnungswesen vermittelt. In den Fachrichtungen kommt dann noch im Großhandel Wareneingang, Warenlagerung und Warenausgang sowie Warenwirtschafts- und Lagersysteme hinzu. Das Fach Außenhandel beinhaltet Außenhandelsgeschäfte und Auslandsmärkte sowie die Anwendung von Fremdsprachen im Fachbereich.
    Frau Vogel merkt zur Einstellungspolitik an, dass die exzellent abschließenden Abiturienten nicht mehr im Zentrum der Aufmerksamkeit stehen. Bei einer statistischen Auswertung der Statistik "Wer ist gegangen?" wurde offenbar, dass das Anspruchsdenken der Abiturienten ungünstige Nebeneffekte haben kann: Die sehr guten Leute gehen in das Studium, das ist ein Effekt, den man nun nicht mehr möchte.
     

    3.2.3. Der Bereich EDV

    Ich sitze Frau Taubitz gegenüber, selbst ehemals Hauptschülerin, die es durch persönliches Engagement und Fortbildungen zur „Koordinatorin System Calldesk User Service" gebracht hat. Löst man die Anglizismen auf, erhält man ein Bild davon, was ihre Abteilung eigentlich macht: Sie betreut betriebsintern die „User" im Betrieb, das heißt, alle, die Probleme mit dem PC haben, können sich bei ihr melden. Im „Call Desk" versucht das Team dann, die Probleme zunächst telefonisch zu lösen, was in  50 bis 70 % aller Fälle gelingt.
    EDV-Kenntnisse sind hier für den Praktikanten die Grundlage; mindestens ebenso wichtig ist aber - so Frau Taubitz - die kommunikative Kompetenz, denn er muss im Gespräch die Probleme erfassen und lösen können; wortkarge „Freaks" sind hier fehl am Platze. Auch Englisch sollte zumindest in Grundkenntnissen vorhanden sein, denn viele Gesprächsteilnehmer stammen aus dem Ausland.
     

    ABB. 2.: Frau Taubnitz im Materiallager

    Erst nachdem das „Help Desk" nicht weiterhelfen konnte, wird technische Hilfe vor Ort geleistet. Praktikanten werden immer wieder eingeladen, die Techniker durch das Haus zu begleiten; auf diese Weise lernen sie zugleich die verschiedenen Abteilungen kennen. Je nach ihrer Kompetenz dürfen sie selbständig Bestandsaufnahmen und auch Funktionsüberprüfungen von PCs durchführen. Das sei aber typabhängig, meint Frau Taubitz.
    Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Schüler unserer Schülerklientel durchaus eine Perspektive haben, hier tätig zu werden; für ein dreiwöchiges Praktikum ist allerdings die Berwerbungsmappe entscheidend. Frau Taubnitz empfiehlt, dem Lebenslauf und dem Anschreiben ein EDV-Profil beizufügen, aus dem die Fähigkeiten und Interessen der Schüler und Schülerinnen hervorgehen. Das beigefügte Profil ist dabei nur ein (recht komplexes) Beispiel; die Schule kann selbständig eine vereinfachte Form entwerfen.
    Abschließend weist Frau Taubnitz auf die „Werbewirksamkeit" von Namen großer Unternehmen in einem Lebenslauf hin: Dem Schüler werden meist mehr Erfahrungshorizonte und Lernumwelten gewährt, als in Kleinbetrieben, was bei einer erneuten Bewerbung wiederum wichtig werden könnte.

    4. „Kollegen" bewerben sich: Einstellungsgespräche mit Praktikanten

    Der Montag beginnt mit der Absage eines der Kandidaten, einem Hauptschüler, der nach Aussage seines Vater am Nachmittag eine wichtige schulische Arbeit zu erledigen hätte - eine unvorteilhafte Selbstdarstellung für einen Bewerber.
    Sein Mitstreiter an diesem Tag ist ein Gymnasiast, der pünktlich erscheint und sich für den Zeitraum vom 01.10. bis zum 12. 10. Um einen kaufmännisch orientierten Praktikumsplatz bewirbt.
    Das sich anschließende Gespräch lässt sich in drei fließend ineinander übergehende Phasen unterteilen:
    (1) Die Selbstdarstellung
    Die Schüler sind gehalten, sich kurz in den wesentlichen Grundzügen selbst darzustellen. Wesentliche Punkte sind hier Zeugnisdaten, Noten, Lieblingsfächer (die unter Umständen auch begründet werden müssen), Geschwister, Hobbys, aber auch besonders die Computerkenntnisse. Häufig wird der Bewerber auch aufgefordert, drei bis vier negative und drei bis vier positive Eigenschaften von sich zu nennen.
    (2) Der Interview-Teil
    Bezug nehmend auf die Selbstdarstellung werden nun gezielt Details hinterfragt; interessant sind aber auch Aussagen zu den Erwartungen und Zielen des Praktikums: Ist es das erste Praktikum? Hat der Bewerber sich noch anderswo beworben, wenn ja, wo? Welche Bereiche des Betriebes sind interessant? Welche Vorstellung hat der Schüler über das berufliche Fortkommen nach der Schule?
    (3) Fragen des Bewerbers
    Zum Schluss erhält nun auch der Bewerber Gelegenheit, Fragen zum Unternehmen, zum Praktikum o. ä zu stellen. Hier wird deutlich, mit welchem Interessenhorizont er sich in den Betrieb begeben hat und wo seine wirkliche Motivation liegt. Frau Vogel erzählt, dass manche Kandidaten Notizen darüber mitgebracht hätten, was sie an dem Betrieb oder an der Stelle interessiert. Ihrer Meinung nach ist das keine schlechte Idee, denn in der Aufregung kann man leicht etwas vergessen.
     

    Firma Peter Tückhardt, Bergisch-Gladbach - 8. Juli  - 12. Juli 2002  - Michael Leesmann

    Mein Praktikumbetrieb war eine Stukkateurfirma aus Bergisch Gladbach. Es handelte sich um einen Familienbetrieb, wie er gerade in dieser Berufsgruppe häufig anzutreffen ist. Der Betrieb wird in der 2. Generation von einem Bruderpaar geführt, wobei der ältere der Chef ist. Angestellte sind für ein Unternehmen dieser Größe zu kostenintensiv, so dass bei größeren Bauvorhaben Fremdfirmen beteiligt werden. Die Gesellschaftsform meines Praktikumbetriebes war die der GbR.

    Meine Baustelle lag in Odenthal im Bergischen Land. Arbeitsbeginn war um sieben Uhr. Es handelte sich um zwei riesige Doppelhaushälften mit einer Wohnfläche von jeweils 250 qm. Hier sollten die Wände verputzt werden. Zuerst werden die Wände mit einem Schaber von Unebenheiten befreit, wie z. B. überschüssigem Mörtel oder alten Nägeln (Überreste fauler Maurer und Elektriker). Dann beginnt die eigentliche Arbeit.
    Bei so großen Flächen kommen auch hier Maschinen zum Einsatz, um die Arbeit zu erleichtern und um schnelleres Arbeiten zu ermöglichen. Der Putz wird maschinell aufgebracht, d.h., er wird mit einem Schlauch an die Wand gespritzt. Zusammen gemischt wird der Putz in einer Maschine, wobei der Gips aus einem Silo zugeführt wird, das Wasser kommt aus einem Hydranten. Besonders wichtig ist das gleichmäßige Aufbringen des „Matsch“ um so das Glätten, den ersten Arbeitsschritt, zu vereinfachen. Nach Anspritzen eines Raumes bleiben maximal vier Stunden Zeit, um den Innenputz zu verarbeiten. Von da an wird kaum noch geredet, sondern nur noch gearbeitet. Zuerst wird der Putz grob mit Latten geglättet. Dies ist der arbeits- und zeitintensivste Schritt. Danach werden die Wände mit Wasser besprüht, um sie mit dem Schwammbrett abzuschmirgeln. Dies dient der ersten feineren Glättung und dem Härten der Oberfläche. Dann werden die Wände mit einem sogenannten Rakkel oder Flieger erneut abgezogen und so die Oberfläche erneut geglättet. Besonderen Spaß macht das Arbeiten mit dem „Deckenflieger“. Anschließend ist man durch und durch nass und sieht aus wie ein Gipsengel. Vor dem letzten Arbeitsgang bleibt mit etwas Glück Zeit für eine kleine Pause. Dann werden Wände und Decken erneut gewässert und nochmals abgezogen.

    Akkord sei Dank ging es dann auch gleich wieder von vorne los, denn bei diesem Termindruck war ein Stockwerk pro Tag Pflicht, das Kellergeschoss nicht zu vergessen. Während die nächsten Flächen angespritzt wurden, schlug die Stunde des Praktikanten! Der durfte dann nämlich in den fertigen Räumen den Gips vom Fußboden entfernen und die Fenster reinigen. Auch das Reinigen der Putzmaschine fiel in meinen Aufgabenbereich. Es klingt nicht spektakulär, ist aber wichtig, wenn die nicht läuft, passiert auf der Baustelle nichts mehr und das ist teuer für alle.

    Der Arbeitstag endete in der Regel zwischen 18 und 19 Uhr, da die Termine so knapp waren. Das war im übrigen bei den anderen dort tätigen Handwerkern ähnlich. Die Tätigkeit selbst war körperlich sehr anstrengend und die Arbeitsabläufe monoton. Einzige Abwechslungen waren, wenn Maurer, Elektriker oder andere Handwerker vorbeischauten und man sich gegenseitig beschimpfte oder die Arbeit des andern schlecht machte. Dies alles war aber nie böse gemeint, sondern gehört am Bau einfach dazu und ist eine der wenigen Abwechslungen, die es da gibt. Im übrigen habe ich während meines gesamten Praktikums keine einzige Flasche Bier auf der Baustelle gesehen.

    Mein Praktikum hat mir großen Spaß gemacht. Ich hatte nicht nur Gelegenheit mitzuarbeiten, sondern habe auch den anderen Berufsgruppen am Bau noch über die Schulter schauen können, so dass ich sehr viele Informationen und praktische Tipps bekommen habe.

    Bei „meiner“ Firma bin ich sehr gut aufgenommen worden und habe mich prima mit meinem Chef verstanden. Der hatte immer ein schlechtes Gewissen, weil er glaubte, sich nicht genug um mich zu kümmern, was aber nicht der Fall war. Ich würde jederzeit wieder in meinem Betrieb, der Firma Tückhardt, arbeiten.