Ausbeulen,
neu spritzen - fertig
Schülerinnen und Schüler zeigten bei Fest, was sie alles
können
Vier Schulleiter kamen zur Geburtstagsfeier: Die Ursula-Kuhr-Schule
in Heimersdorf ist 40 Jahre alt.
VON FREDERIKE WUERMELING
Heimersdorf - Erst seit einem Jahr ist er Rektor der Ursula-Kuhr-Schule,
doch er kennt sich hier aus wie fast kein anderer. Schon seit mehr als
30 Jahren unterrichtet Wilfried Claus als Mathematiklehrer an der Hauptschule.
Als Schulleiter war es eine seiner ersten Aufgaben, die 40-Jahres-Feier
vorzubereiten. Und zu dem Fest ist ihm dann auch ein besonderer Coup gelungen:
Er holte alle drei Schulleiter auf die Bühne der Aula, die in der
Vergangenheit die Geschicke der Schule gelenkt haben. Sogar Peter Weiß,
der erste Rektor, mittlerweile schon weit über 80 Jahre alt, ließ
es sich nicht nehmen, seine alte Wirkungsstätte zu besuchen. „Das
war schon ein historisches Ereignis, mit allen meinen Vorgängern zusammen
zu treffen", so Claus nach der Jubiläumsfeier.
Heute ist die Ursula-Kuhr-Schule eine modern ausgestattete Hauptschule
mit mehr als 500 Schülern. „Besonders viel Wert legen wir auf den
Übergang von der Schule in den Beruf. Deswegen haben wir zahlreiche
praktisch orientierte Unterrichtsangebote", erklärte der Schulleiter.
Dessen konnten sich die zahlreichen Gäste, die zum Schulfest gekommen
waren, vergewissern: Ahmet, Sergej, Marcel und Sascha aus dem 9. Schuljahr
zeigten zum Beispiel im Werkraum, wie eine kaputte Autotür repariert
wird. Ausbeulen, neu spritzen - fertig. Die Autotür sah wieder aus
wie neu. In einem anderen Klassenzimmer wurde gehobelt, gesägt und
geleimt, was das Zeug hielt. Jeder, der wollte, konnte sich seinen eigenen
Schlüsselanhänger aus Holz anfertigen.
Vor mehr als 40 Jahren sah es hier jedoch noch ganz anders aus: Auf
freiem Feld wurde Anfang der sechziger Jahre die „Neue Stadt" aufgebaut.
100 000 Menschen sollten hier wohnen. Wohnhäuser, Geschäftsbauten
und Schulen entstanden. Am 22.4.1965 war es soweit: 740 Schüler und
18 Lehrkräfte bestritten gemeinsam den ersten Schultag der Ursula-Kuhr-Schule.
Die Schule wurde als Nachfolgerin der alten Volksschule in Köln-Volkhoven
gegründet. Erst drei Jahre später wurde sie in eine Hauptschule
umgewandelt. Ihr Name erinnert an die Lehrerin Ursula Kuhr, die beim Flammenattentat
auf die alte Volksschule am 11. Juni 1964 ums Leben kam. Sie hatte versucht,
die ihr anvertrauten Kinder vor dem Feuerwerfer des geistig verwirrten
Attentäters zu retten. Vergessen haben sie auch die heutigen Schüler
nicht: „Der Name Ursula-Kuhr-Schule ist für uns eine Verpflichtung.
Wir arbeiten täglich daran, Zivilcourage zu zeigen und uns für
Schwächere einzusetzen", betonte Schulsprecherin Bianca.
Kölner Stadt-Anzeiger vom 7. Juli 2005 |